Optimale Business-Entscheidungen

Diese 10 Biases stehen der Urteilsfähigkeit im Weg

Täglich treffen wir mehr als 20.000 Entscheidungen, die meisten davon routiniert auf der Grundlage von Erfahrungen und Intuition. Wenn aber Business-Lösungen gefragt sind, stehen uns diese Automatismen oftmals im Weg.

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Biases – zu Deutsch: kognitive Verzerrungen – sind Störfaktoren, wenn es darum geht, möglichst objektive Entscheidungen zu ziehen. In diesem Artikel lernen Sie zehn Ursachen kennen, die unsere Entscheidungsfähigkeit beeinträchtigen und erfahren, warum es in Unternehmen empfehlenswert ist, menschliche Urteilsfähigkeit mit Decision Intelligence zu optimieren. 


1. Action Bias 

Warum wir lieber handeln als nichts zu tun 

Definition 
Die Tendenz, standardmäßig und automatisch zu handeln, auch wenn es keine stichhaltigen Argumente dafür gibt, wird als Action Bias bezeichnet. 

Background 
„Ohne Fleiß kein Preis“ und „Müßiggang ist aller Laster Anfang“. Es wird vermutet, dass uns die Neigung zu handeln seit der Zeit der Jäger und Sammler begleitet. Dieser Instinkt wird mit Lernmustern im Laufe unseres Lebens aufrechterhalten – unabhängig davon, ob Aktivismus in einzelnen Fällen die bessere Lösung ist. 

Strategie 
Untätigkeit statt Handeln bedeutet nicht, dass man aufgibt. Häufig kann es produktiver sein, nicht einzugreifen. Damit Aktion nicht als Standardreaktion einsetzt, ist es besser, den Handlungszwang zu unterdrücken.

2. Affect Heuristic 

Warum wir uns bei schnellen Entscheidungen auf unsere Gefühle verlassen  

Definition 
Sich bei Entscheidungen auf Gefühle statt auf konkrete Informationen zu verlassen, hilft uns, schnell und einfach zu einer Schlussfolgerung zu gelangen. 

Background 
Da der Mensch meist nicht alle notwendigen (und verfügbaren) Informationen einholen und bewerten kann, muss er Abkürzungen nehmen, um Entscheidungen zu fällen. Eine Variante ist es, sich dabei von Stimmungen und Gefühlen leiten zu lassen, um auf bekannte Urteilsstrategien zurückzugreifen. 

Strategie 
Eine Entscheidung, die mit positiven oder negativen Gefühlen behaftet ist, sollte man verschieben, bis sich der emotionale Zustand eingependelt hat. Indem sich Entscheidungsträger die Zeit nehmen, logisch über die zu treffende Wahl nachzudenken und alle möglichen Optionen in Betracht zu ziehen, verhindern sie emotionale Abkürzungen. 

3. Ambiguity Effect 

Warum wir Optionen bevorzugen, die uns bekannt sind 

Definition 
Der Mensch neigt dazu, bei einer Entscheidung Optionen zu vermeiden, die zu viele Unsicherheitsfaktoren aufweisen. 

Background 
Entscheider:innen bevorzugen Optionen, über die sie sich gut informiert fühlen, gegenüber Optionen, bei denen zu viel der Fantasie überlassen bleibt. Wer mit Mehrdeutigkeit konfrontiert wird, neigt dazu, sich das schlimmste Szenario vorzustellen und vergisst dabei, dass das Ergebnis mit gleicher Wahrscheinlichkeit auch das beste Szenario sein könnte. 

Strategie 
Der Ambiguitätseffekt kann ein effizientes Hilfsmittel sein, um schnelle Entscheidungen zu treffen. Um die vollen Möglichkeiten für der eigenen Business-Ziele auszuschöpfen, sollten Entscheider:innen den ersten Impuls aber überwinden, um uneindeutige Optionen und Situationen zu vermeiden. 

4. Attentional Bias 

Warum wir uns auf bestimmte Dinge mehr konzentrieren als auf andere 

Definition 
Der Mensch neigt dazu, sich auf bestimmte Aspekte zu konzentrieren und dabei andere zu ignorieren. Die Aufmerksamkeit wird dabei von externen Reizen (gefühlte Bedrohung) bis hin zu inneren Zuständen (Hunger, Traurigkeit, etc.) beeinflusst. 

Background 
Die einseitige Ausrichtung der Aufmerksamkeit hatte in prähistorischen Zeiten evolutionäre Vorteile, die das Überleben sicherten. Obwohl die Nahrungssuche und die Verteidigung ihres Lebens für die meisten Menschen im Alltag nicht mehr im Vordergrund stehen, funktioniert ihr Gehirn noch immer nach diesem Muster.  

Strategie 
Es ist schwierig, die Aufmerksamkeitsverzerrung vollständig zu vermeiden. Dieser Einfluss auf den Denkprozess liegt auf einer so tiefen, automatischen Ebene, dass man sich dessen nicht bewusst ist. Dennoch: Wer solche Reize und Zustände aktiv reflektiert, kann kritische Entscheidungsfindungen zumindest vertagen. 

5. Representativeness Heuristic 

Warum wir Gemeinsamkeiten suchen, um die statistische Wahrscheinlichkeit zu messen 

Definition 
Wenn man versucht einzuschätzen, wie wahrscheinlich ein bestimmtes Ereignis ist, orientiert man sich oft an Übereinstimmungen mit bekannten Kategorien oder Prototypen. 

Background 
Die Fähigkeit des Menschen, die Welt zu verstehen und sich Dinge zu merken, beruht auf Kategorisierung. Ohne Kategorien müssten wir bei jeder Begegnung mit etwas Neuem von Grund auf lernen, was es ist und wie es funktioniert. 

Strategie 
Da die Kategorisierung so grundlegend für die Wahrnehmung der Welt ist, lässt sich die Repräsentativitätsheuristik nicht vollständig vermeiden. Wer sich aber bewusst macht, dass er festgefügte Muster und Stereotype verwendet, kann sein Urteil korrigieren. Feedbacks im Team können helfen, Voreingenommenheit zu vermeiden. 

6. Bounded Rationality 

Warum wir uns mit „gut genug“ zufriedengeben 

Definition 
Die begrenzte Rationalität ist eine menschliche Entscheidungsmethode, die uns zufrieden stellt, anstatt optimale Ergebnisse zu erzielen. Mit anderen Worten: Wir suchen eine Entscheidung, die gut genug ist, und nicht die bestmögliche Entscheidung. 

Background 
In einem Entscheidungsproblem ist Verhalten dann rational, wenn eine Handlungsalternative gewählt wird, die den größten Nutzen für das entscheidende Individuum oder das Unternehmen erbringt. Da aber unsere Gehirnkapazität, die Zeit und die verfügbaren Informationen begrenzt sind, müssen wir Entscheidungen mit Hilfe von Abkürzungen treffen. Die begrenzte Rationalität veranlasst uns, zufriedenstellende Entscheidungen zu treffen, aber das bedeutet nicht, dass diese Entscheidungen optimal sind.  

Strategie 
Sich der begrenzten Rationalität bewusst zu sein, hilft nicht, sie zu überwinden. Denn das Wissen um die Grenzen des Denkvermögens lassen sie nicht verschwinden. Eine Hilfestellung sind Entscheidungsfindungen im Team, aber eine umfassende Bewertung aller Informationen in kurzer Zeit ist nur durch KI möglich. 

7. Commitment Bias 

Warum Menschen an bestehenden Ideen festhalten, selbst wenn sie Beweise dafür haben, dass sie falsch sind 

Definition 
Der Mensch neigt dazu, an früheren Verhaltensweisen festzuhalten, auch wenn sie nicht zu den gewünschten Ergebnissen führen oder sich als falsch herausstellen. 

Background 
Wir versuchen ständig, uns selbst und andere davon zu überzeugen, dass wir rationale Entscheidungsträger sind. Wir denken, dass wir mehr Glaubwürdigkeit erlangen, wenn wir unsere Handlungen konsistent halten – und um unser Gesicht zu wahren, verteidigen wir unser Verhalten und unsere Entscheidungen vor anderen.  

Strategie 
Beständigkeit ist nicht das A und O. Wenn Entscheider:innen feststellen, dass bestimmte frühere Urteile nicht mehr mit aktuellen Zielen oder Werten übereinstimmen, gibt es keinen Grund, an ihnen festzuhalten. Es ist sogar irrational, Entscheidungen nur aufgrund des Wunsches nach Beständigkeit oder aus Angst vor Veränderungen zu treffen. 

8. Decision Fatigue 

Warum wir am Ende des Tages schlechtere Entscheidungen treffen 

Definition 
Unsere Entscheidungsfindung verschlechtert sich, wenn die kognitiven Fähigkeiten erschöpft sind. Decision Fatigue ist der Grund dafür, dass sich Mitarbeiter:innen überfordert fühlen, wenn sie zu viele Entscheidungen zu treffen haben. 

Background 
Entscheidungen zu treffen ist ein hochkomplexer kognitiver Prozess. Zu viele Entscheidungen, zu viele Wahlmöglichkeiten oder zu lange Entscheidungsprozesse ermüden der Geist und führen dazu, dass durch das Phänomen der Decision Fatigue irrationale und impulsive Entscheidungen gefällt werden. 

Strategie 
Routinen im Alltag sorgen dafür, insgesamt weniger Entscheidungen am Tag treffen zu müssen. Auch der Blutzuckerspiegel beeinflusst die Fähigkeit, kluge Entscheidungen zu treffen. Um ihn konstant zu halten, sollte man kleine Snacks zu sich nehmen oder Entscheidungen erst nach dem Essen treffen. Darüber hinaus sorgen Ruhepausen und Auszeiten dafür, Entscheidungsmüdigkeit zu vermeiden. 

9. Naive Realism 

Warum wir glauben, dass wir ein objektives Bild von der Welt haben 

Definition 
Naiver Realismus beschreibt unsere Annahme, dass wir die Welt genau so wahrnehmen, wie sie ist, ohne von unseren Emotionen, Erfahrungen, kultureller Identität etc. beeinflusst zu werden. 

Background 
Es existiert eine kognitive Verzerrung unserer Sicht auf die Dinge. Menschen betrachten die Welt durch eine egozentrische Linse und haben Schwierigkeiten, ihre eigenen Überzeugungen von den Überzeugungen anderer zu trennen. Die Voreingenommenheit für einen falschen Konsens lässt Teammitglieder und Manager:innen davon ausgehen, dass andere Menschen dieselbe Meinung haben wie sie selbst und dass ihre Meinung daher eher den Tatsachen entspricht.  

Strategie 
Das Bewusstsein für naiven Realismus kann helfen, seine Auswirkungen zu vermeiden. Wer in der Zusammenarbeit die Einsicht erlangt, dass ihre/seine Wahrnehmung der Dinge subjektiv und durch Vorurteile verzerrt ist, kann beginnen, diesen Egozentrismus abzubauen. 

10. Empathy Gap 

Warum wir nicht richtig einschätzen, wie sehr unsere Gefühle unser Verhalten beeinflussen 

Definition 
Wir Menschen tendieren dazu, den Einfluss unterschiedlicher mentaler Zustände, Emotionen und Gefühle auf unsere eigene Urteilsfähigkeit zu unterschätzen. 

Background 
Menschen, die sich in einem bestimmten mentalen Zustand befinden (z. B. glücklich oder wütend), haben Schwierigkeiten, andere Perspektiven einzunehmen. Sie können sich nicht in eine Person hineinversetzen oder die Handlungen einer Person vorhersagen, die sich in einem anderen mentalen Zustand befindet. Das erschwert es, adäquate Entscheidungen zu treffen. 

Strategie 
Die Empathy Gap erschwert Kompromisse: Jemand, der seine Argumente durchsetzen will, kann sich nur schwer in die Situation von jemandem hineinversetzen, der zu einer friedlichen Einigung bereit ist – und umgekehrt. Auch das Kundenverständnis wird von diesem Bias beeinflusst. Eine Technik, mit der Unternehmen bessere Vorhersagen treffen können, besteht darin, dass nicht nur künftige Handlungen, sondern auch abweichende mentale Zustände berücksichtigt werden. 

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